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Psychodrama

Was ist denn das?
Fängt mit Psycho an und hört mit Drama auf. Klingt gefährlich, ist
sicher nichts für mich.

Diese erste, durchaus verständliche Reaktion auf den Begriff des
Psychodramas, bei solch einer Vokabel ist natürlich negativ,
gilt es umzukehren.

Psychodrama hat nämlich nur positive Aspekte, die schon
durchscheinen, wenn man die griechischen Wortstämme in die
deutsche Sprache übersetzt:
Psycho heißt Seele und Drama heißt Handlung.

Die Therapieform oder Arbeitsweise mit den Möglichkeiten des Psychodramas heißt also nicht mehr und auch nicht weniger als der Seele, den Gefühlen, den Emotionen und auch dem Verstand, Raum für Handlung und Aktivität zu geben.

Etwa zu Zeiten von Siegmund Freud wurde das Psychodrama von Jakob Levy Moreno (1889-1974) ersonnen und zeitlebens weiter entwickelt. Dies in der sicheren Erkenntnis, dass der Mensch Lösungen für seine Probleme im Regelfall selbst höchst kreativ und spontan und zudem bei spielerischem Umgang mit der Problematik finden kann.

Diese damalige Erkenntnis wird heute uneingeschränkt von allen Disziplinen der Neurowissenschaft geteilt.

Danach reagiert der Mensch auf alle inneren und äußeren Anforderungen zuerst mit seinem Körper, dann mit den Gefühlen und zuletzt mit dem Verstand.

Kaum etwas ist demzufolge zur Selbsterkenntnis und Problemlösung besser geeignet, als die Handlungsform des Psychodramas, die sich exakt diese Abläufe zu Nutze macht.

Die Darstellung von inneren und äußeren Vorgängen auf der "Bühne“ gibt dem Hauptdarsteller (Protagonisten) die Möglichkeit, über die gespielte Szene in direkten Kontakt mit seinen Gefühlen zu kommen, um also zu spüren, wie sich eine Situation tatsächlich anfühlt, um aus diesen gefühlsmäßigen Erkenntnissen dann unter Zuhilfenahme des Verstandes, wenn die gespielte Lösung nicht sowieso schon klar ist, konkrete Verhaltensweisen abzuleiten.

Die gespielte Szene ist für alle Mitspieler Wirklichkeit, ja gefühlte Realität.
Die körperlichen Reaktionen und die wahrgenommenen Gefühle sind echt und spiegeln eins zu eins das tatsächliche Seelenleben der beteiligten Personen, lediglich die Spielszene als solche ist gestellt.

Hierin liegt das Geheimnis der Wirkungsweise des Psychodramas.
Auch auf gespielte Szenen reagiert der Mensch mit seinem Körper und insbesondere seinen Gefühlen vollkommen echt und authentisch, den Unterschied zwischen Spiel und Ernst kann er nicht machen.

Hiermit eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten.
Es wird möglich im geschützten Rahmen/Raum belastende Situationen nachzuspielen, also im Nachgang aufzulösen, bevorstehende heikle Begegnungen vorwegzunehmen und eine angemessene Verhaltensweise im Vorfeld zu trainieren.

Genauso kann man die eigene Persönlichkeit darstellen und die beteiligten Facetten des Ich's mit Personen lebendig auf der Bühne besetzen, so das zögerliche Ich, das forsche Ich, das um Sicherheit bemühte Ich, etc., um auf dieser Ebene zur Selbsterkenntnis und damit im Ergebnis zu tragfähigen Entscheidungen zu gelangen. Dies nach Sichtbarmachung, der - nennen wir es - inneren Argumente.

Hierin liegt die Arbeit mit Perspektivwechsel unter Berücksichtigung auch der, regelmäßig sehr wichtigen Rückmeldungen der Mitspieler, die ebenso wie der Hauptdarsteller mit ihren echten Gefühlen beteiligt sind und deshalb ebenso echte Rückmeldungen geben können.

Im Psychodrama sind Rollenspiele aller Art machbar, regelmäßig in der Gruppe am effektivsten. Möglich ist aber auch die Einzelarbeit, gleichermaßen das Aufstellen, also mehr oder weniger statische Darstellen von Gruppenzusammenhängen im Bild, sicher besonders bekannt geworden durch die sogenannten Familienaufstellungen.

Auch diese systemische Arbeit geht wesentlich auf Moreno zurück und hat nichts aber auch gar nichts mit dem "Familien-Stellen" nach Hellinger zu tun.

Bei Hellingers Arbeitsweise handelt es sich nicht um ein anerkanntes psychodramatisch- soziometrisches Verfahren. Es werden vielmehr die hierfür wesentlichen Prinzipien völlig unbeachtet gelassen, ja sogar umgekehrt.Vor Hellingers Arbeitsweise kann man nur deutlichst warnen.Für Allmachtsphantasien und Gurus ist in seriöser Arbeit kein Platz. Von diesen Strömungen distanzieren wir uns ebenso, wie es nicht nur die systemische Gesellschaft getan hat. Vergleiche die Literaturhinweise und entsprechenden Links zu externen Seiten.

Im Psychodrama nach Moreno bestimmt der Hauptdarsteller (Protagonist) was in welcher Intensität gespielt, also gewagt oder ausprobiert werden soll, er selbst findet ebenso spontane wie kreative Lösungsansätze.

Die Psychodramaleitung, die zur seriösen Arbeitsweise immer aus zwei Personen bestehen sollte, schafft den Rahmen/Raum zur Interaktion, setzt die Hilfsmittel des Psychodramas ein und unterstützt nur dann, wenn dies notwendig ist.

Im Regelfall ist die Leitung bei der Themenfindung behilflich, macht zudem Vorschläge zur konkreten Umsetzung (Skulptur, Vignette, laufende Bühne, Tageszeitung, etc.) und führt danach nur noch behutsam aus dem Hintergrund und begleitet in der zweiten Person die weiteren Gruppenmitglieder, die nicht aktiv am Spiel beteiligt sind sondern zuschauen, dies aber auch, ebenso wie die Darsteller, mit völlig echten Gefühlen, die ebenfalls Rückmeldungen in der Abschlussrunde ermöglichen.

Der spielerische Umgang, den wir eigentlich mit der Kindheit verloren haben, birgt unendliches Potenzial und kann zum Glück heute immer noch angezapft werden und dies sogar so, dass in der Psychodramaarbeit die kindliche Leichtigkeit unglaublich erlösend wirkt.

Selten wird bei zum Teil und sicher "bierernsten“ Themen so viel gelacht wie im Psychodrama.
Sinngemäß steht auf Moreno's Grabstein in Wien " Er brachte das Lachen in die Psychiatrie".

In die Psychiatrie wollen wir alle nicht, um das Lachen zu erfahren. Dies geht sehr gut außerhalb und ist wesentlicher Teil unserer Arbeit.