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05.12.2018 Schlaganfall und Antidepressivum Fluoxetin

Unter dem 6.11.2018 haben wir über tödliche Wirkungen und tödliche Nebenwirkungen von Psychopharmaka berichtet, dies mit Blick auch auf die sonstigen Nebenwirkungen von bewusstseinsverändernden Medikamenten, die in tiefgreifende Persönlichkeitsveränderungen einmünden können.
Nun ist unter dem 5.12.2018 eine Studie erschienen, die deutlichst in die gleiche Richtung weist, veröffentlicht von der Focus Trial Collaboration unter Leitung von Martin Dennis, Universty of Edingburgh.
Bevor wir auch diese Studie eingehen, müssen wir die Historie etwas aufarbeiten.
Im Jahr 2011 erschien die sogenannte FLAME-Studie, eine klinische Studie, an der 118 Patienten teilnahmen. Nach ischämischem Schlaganfall wurden die Patienten als Studienteilnehmer randomisiert einer Placebo-Gruppe und einer Gruppe zugeteilt, die Fluoxetin erhielt. Die Medikamentengruppe bekam täglich 20 mg Fluoxetin über einen Zeitraum von drei Monaten. Ergebnis der Studie am 90. Tage soll gewesen sein, dass in der Gruppe, die ein Antidepressivum erhielt, die depressiven Symptome geringer ausfielen als in der Placebogruppe, wenn auch nicht mit bedeutenden Unterschieden. Zudem aber wollte man festgestellt haben, dass die Motorik der Patienten, die das Medikament erhielten, eine deutliche Verbesserung erfahren haben sollte, zu dem sei die Anzahl der Patienten in der Medikamentengruppe höher gewesen, die nach dieser Behandlung unabhängig im eigenen Haushalt leben konnten.
Es lässt sich denken, was als nächstes geschah. Sogar mit Gusto bzw. Empfehlung der WHO gibt es seit Bekanntwerden dieser Studie für Schlaganfallpatienten, die nicht selten zu Depressionen neigen, Fluoxetin und zwar zur Behandlung der depressiven Symptomatik und gleichzeitig zur Rebenmobilisierung und Verbesserung der gesamten Motorik.
Fluoxetin, das Wundermittel!!!
Die eingangs genannte Forschergruppe des Focus Projekts kam nun zu völlig anderslautenden Ergebnissen und dies ebenfalls nach doppelblind, placebokontrollierten klinische Studien, wobei die Daten von 103 britischen Kliniken herangezogen wurden, d. h. in der Zeit von September 2012 und März 2017 wurden 3127 Patienten einbezogen und untersucht, 1564 Personen in der Fluoxetin und 1563 in der Placebogruppe.
Dies bei Überprüfung nach sechs und auch zwölf Monaten.
Es ließ sich feststellen, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Depression zu entwickeln, in der Fluoxetin-Gruppe etwas geringer ausgeprägt war als in der Placebogruppe. In der Placebogruppe waren es 269 Patienten, die eine depressive Symptomatik in unterschiedlicher Ausprägung aufwiesen, in der Fluoxetin Gruppe 210.
Dies ist kein besonderer Unterschied, dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass depressive Phasen ohnehin im Laufe der Zeit abklingen bzw. verschwinden und dies ohne jedwede Medikamentengabe und erst recht bei entsprechender psychotherapeutische Begleitung. Eine Notwendigkeit Antidepressiva nach einem Schlaganfall zu geben besteht nicht und schon gar nicht flächendeckend und ohne Rücksicht auf die jeweilige Befindlichkeit des einzelnen Patienten, dies ist mit Blick auf den umfänglich Nebenwirkungskatalog des Medikaments Fluoxetin, nicht mehr, aber auch nicht weniger als Körperverletzung.
Nochmals siehe unsere Buchempfehlung zu tödlichen Wirkungen von Psychopharmaka.
Völlig absurd wird das ganze mit Blick auf die weiteren Ergebnisse der englischen Studie.
Entgegen den Ergebnissen der Flame- Studie wiesen die Teilnehmer in der Fluoxetin Gruppe mehr Knochenfrakturen auf als in der Placebogruppe. 45 Knochenbrüche in der Medikamentengruppe standen 23 in der Placebogruppe gegenüber.
Von stärkerer oder besserer Mobilisierung kann also nicht ansatzweise die Rede sein.
Man muss also nicht nur vor einer bedenkenlose Gabe von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern wie Fluoxetin warnen, dies grundsätzlich, sondern auch oder insbesondere vor der Gabe dieses oder artverwandter Mittel nach einem Schlaganfall.
Originalstudie: doi: 10.1016/S0140-6736(18)32823-X