. .

09.10.2018 Wie essen Kinder, wenn man sie läßt?

Wie sie bei der Beantwortung der Frage sehen werden, führt sie etwas in die Irre, denn wir wollen sie in zweifacher Hinsicht beantworten.
Soweit Kinder gestillt wurden, essen sie danach das, was die Eltern für richtig halten oder schlimmstenfalls das, was ihnen Herr Hipp, Herr Alete, Herr Milupa und andere empfohlen haben. Insbesondere die Mütter sicher darauf vertrauend, ihren Kindern nur Gutes zu geben. Wie es tatsächlich um diese Fertigkost bestellt ist, erfährt man, wenn man die Bücher von Hans-Ulrich Grimm liest, in unseren Literaturempfehlungen aufgeführt
In späteren Jahren versuchen die Kinder zunehmend ihre Ernährung selbst zu bestimmen, ebenfalls nicht im positiven Sinne, da von der Werbung dermaßen beeinflusst, dass eben nur Produkte infrage kommen, deren Bild sich bei den Kindern genügend einprägen konnte, regelmäßig überzuckert, mit Süßstoffen wie Aspartam versehen, was durchaus schwerer wiegen kann und mit Geschmacksverstärkern angereichert, die auch noch als natürlich daherkommen, auch wenn dies bei manchen Joghurts dann zur Folge hat, dass tatsächlich nur noch eine Erdbeere enthalten ist, dafür aber viel Sägemehl, durchaus natürlich, aber für die Zukunft geschmacksprägend. Auch hierzu empfehlen wir die Bücher von Hans-Ulrich Grimm.
In der noch etwas späteren Lebensphase kommen dann Pommes, Pizza, Burger, Cola und heiß begehrt Energy Drinks hinzu, also wiederum viel Zucker, Kohlenhydrate und auch Fette, die man meiden sollte, nur noch Acrylamid als Stichwort.

Nun zu der Antwort, die man auch geben kann bzw. zu den Antworten, die in den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts bereits gegeben worden sind, damals vom Curt P.Richter und Clara M.Davis.
Aufgrund der damals schon bestehenden Konzepte von Richter führte Clara Davis zwei Experimente, damals als Kinderärztin in Kinderheimen tätig, durch und zwar mit Kleinkindern im Alter von 6-11 Monaten im ersten Experiment und mit Kindern im Alter von sechs Monaten bis viereinhalb Jahren im zweiten. Die Experimente dauerten in der ersten Phase sechs bzw. zwölf Monate, in der zweiten Phase sechs Jahre.
Den Kleinkindern standen 34 Lebensmittel in einzelnen Schüsselchen zur freien Auswahl zur Verfügung, wobei die am Experiment beteiligten Betreuerinnen den Kindern nur das jeweilige Lebensmittel ihrer Wahl anreichern durften, ohne dies zu kommentieren oder Appetit für ein bestimmtes Lebensmittel zu provozieren
Es gab verschiedene Früchte, Gemüse, Milchprodukte, Eier, Fleischarten bis hin zu Innereien, Getreideprodukte, Fisch, bis hin zu Lebertran, Meersalz und Wasser, teilweise gekocht, teilweise roh.
Bei der Auswahl der Lebensmittel lässt sich der einzige „Trick“ der Experimente bereits erkennen, alle Lebensmittel waren grundsätzlich gesund und allenfalls frisch gekocht. Fertigprodukte, welcher Art auch immer, gab es nicht.
Im Ergebnis entwickelten die Kinder, zumindest teilweise, eigene Vorlieben und ernährten sich ausnahmslos so, dass sie weder Mangelerscheinungen noch Übergewicht aufwiesen, sie entwickelten sich, wie man sagt, prächtig.
Es ließ sich sogar feststellen, dass die Kinder rohes Rindfleisch während einer Infektionskrankheit, Pfeiffer`sches Drüsenfieber und Lebertran, bei Rachitis, zu sich nahmen.
Währenddessen entwickelten sich keine Vorlieben für besonders süßes Obst und auch nicht für Getreideprodukte oder Milcherzeugnisse.

Soviel an dieser Stelle zum Thema „artgerechte"Ernährung. Mit unseren heutigen Fütterung-und Essgewohnheiten hat diese meistens heute nichts mehr gemein, das genaue Gegenteil ist der Fall und dies, obwohl man wohl davon ausgehen darf, dass die Kinder damals vor dem Verzehr nicht erst wissenschaftliche Studien gelesen haben, die heute hingegen zur Rückkehr zu einer vernünftigen Ernährung unverzichtbar scheinen, auch wenn die Nahrungsmittelindustrie, natürlich auch mit Studien, nach wie vor belegen will, dass nur sie der Weisheit letzter Schluss in Dosen füllt, wenn auch allenfalls in die eigene Spardose.
Originalstudien:American Journal of Diseases of Children, Volume 36, October 1928, Number 4; The Canadian Medical Association Journal, September 1939