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11.11.2016 Auf den Atem kommt es an

Als klassischen Zufallsfund muss man das bezeichnen, was Christina Zelano und Team der Northwestern University Feinberg, School of Medicine, entdeckten als sie sich in der OP-Vorbereitung bei an Epilepsie erkrankten Patienten befanden. In die Gehirne eingebrachte Elektroden, die den Ausgangspunkt der Anfälle lokalisieren sollten erfassten elektrische Signale aus Hirnbereichen, in denen Emotionen, Gedächtnis und Gerüche verarbeitet bzw. gespeichert werden und dies bei schwankenden Signalen, je nachdem, wie die Patienten atmeten.
Die Forscher stellten sich die Frage, ob Angst, Anspannung oder Überraschung in Abhängigkeit von der Atmung die unterschiedlichen Signale erzeugen konnten und führten entsprechende Experimente durch.
Feststellen konnten sie, dass Probanden in den Testsituationen Darstellungen ängstlicher Gesichter schneller und treffsichere beim Einatmen als beim Ausatmen erkannten.wesentlich war auch, dass dieser Effekt sich nur einstellte, wenn die Testpersonen durch die Nase atmeten. Im Falle der Mundatmung tat sich nichts besonderes. Gleiches war zu beobachten als es darum ging, erstaunte Gesichter zu erkennen.
In einem weiteren Test ließ sich dann noch ermitteln, dass die Gedächtnisleistung bei den Probanden dann deutlich höher ausfiel, wenn ihnen Objekte während der Einarbeitungsphase gezeigt wurde. Auch hier wieder mit der Besonderheit, dass die Nasenatmung eingesetzt werden musste.
Beobachtet werden konnte, dass es einen deutlichen Unterschied in der Aktivität der Amygdala und des Hippocampus während des Einatmens im Vergleich zum Ausatmen gab. Beide genannten Hirnareale waren beim Einatmen deutlich stärker aktiv. Erklären lässt sich dies sicher evolutionär. Zudem auch der eigenen Beobachtung entnehmen. Bedrohliche, angstmachende Situationen bewirken körperliche Reaktionen, die angeboren sind. Hierzu rechnet auch schnellere Atmung, wobei es sicher von Vorteil ist, den Auslöser der angstmachenden Situationen präzise auffassen und dieses Bild auch gut abspeichern, zu können. Zum einen mit Blick auf die sofortige Reaktion und zum anderen mit Blick auf eine denkbare Wiederholung in der Zukunft.
Originalpublikation:doi:10.1523/JNEUROSCI.2586-16.2016

Unsere These:
Durch die gefundenen Ergebnisse wird auch deutlich, wie sinnvoll das Einüben und Anwenden von Atemtechniken ist. In Belastungssituationen ist es mehr als empfehlenswert, sich auf die eigene Atmung zu fokussieren und zu einer ruhigen Atmung, nach etwas Übung, zu einer längeren Ausatmungsphase mit kurzer Pause vor der nächsten Einatmungsphase, zu kommen. Dies entlastet unmittelbar, insbesondere bei subjektiv empfundenen Belastungen, die objektiv tatsächlich keine Bedrohung darstellen.