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14.09.2018 Anticholinerge Effekte Wie bitte???

Die Frage-Wie bitte??? mögen sie berechtigt stellen, vielleicht sind sie aber näher am Thema als sie ahnen. Dies kann insbesondere dann gelten, wenn sie bereits ein etwas höheres Alter haben oder bestimmte Medikamente einnehmen. Der Neurotransmitter Acetylcholin ist für unterschiedlichste und wesentliche physiologische Prozesse verantwortlich, wobei man annimmt, dass der Abbau dieses Botenstoffes auch bei der Entwicklung der Alzheimer-Demenz von deutlich negativem Einfluss ist. Die anticholinergen Effekte sind vielen Menschen nicht unbekannt, sie reichen von leichter Mundtrockenheit über Sehstörungen verschiedenen Ausmaßes bei erhöhtem Sturzrisiko, Verstopfung, Erregung, Unruhe, Verwirrtheit und Gedächtnisstörungen über Desorientiertheit bis zum Delirium. Beschrieben bei Parkinson Medikamenten, urologischen Spasmoltika und vor allen Dingen auch Antidepressiva, insbesondere Trizyklika, Diazepam, Temazepam und X-anderen. Mit dieser Thematik befasst sich eine Studie der Forschergruppe um Barbara Pfistermeister der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg unter Auswertung von 797.440 Verschreibungen für 89.579 stationär behandelte Patienten in geriatrischen Einrichtungen. Die Patientinnen und Patienten erhielten „jede Menge"Medikamente mit anticholinerger Wirkung, wobei die geistige Leistungsfähigkeit signifikant vermindert war, mit zwei üblichen Testverfahren (MMSE und 4D + S) nachgewiesen.
Dumm an der Geschichte ist, dass die in Rede stehenden Medikamente leider in der Geriatrie und leider auch ambulant in jungen Jahren, zum Teil zur Selbstmedikation, verabreicht bzw. überlassen werden, sodass nur gezieltes Nachfragen beim Arzt oder Apotheker, möglichst gekoppelt mit eigener Überprüfung, Schutz bieten kann.
Nach der Nennung der Originalstudie ein Link, der als Einstieg dienen mag, immer noch aktuelle Medikamente beinhaltend, die von besonderem Einfluss auf die Hirnalterung sind.
Originalstudie:doi:10.1371/journal.pone.0171353

ABC Score

Noch ein Hinweis am Schluss, die unerwünschten Nebenwirkungen bei Antidepressiva, so auch bei den bekannten Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer setzen unmittelbar ein, eine antidepressive Wirkung hingegen nach zwei Wochen oder später oder auch gar nicht.
Sollten sich also zum Beispiel Mundtrockenheit o. ä. Dinge einstellen, wäre nach unserer Auffassung ernsthaft über die Medikation nachzudenken wir gehen nämlich davon aus, dass unter anderem auch Mundtrockenheit nur ein Symptom für weitere Nebenwirkungen, also auch kognitive Beeinträchtigungen sein kann.
Viel halten wir auch nicht von Medikamenten, die den Abbau von Acetylcholin hemmen, sozusagen als Gegenmittel und damit weitere, zu bezahlende Pille. Diese Mittel, dem Insektizid E 605 funktionell sehr nahe, gern eingesetzt bei leichter oder mittelschwerer Demenz vom Alzheimer-Typ, so Donepezil oder zum Beispiel auch Galantamin. Auch hier reicht es bei den Nebenwirkungen über Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen bis hin zur Magersucht, wobei eine systematische Untersuchung aus dem Jahr 2013 zu dem Ergebnis kam, dass die erzielbare Wirkung die Nebenwirkungen nicht akzeptabel macht
Sinnvoll ist auch hier eine sehr vorsichtige Herangehensweise und nach sinnvoller eine abgestimmte und ganzheitliche Therapie, vergleiche Dr. Michel Nehls unter anderem in „Alzheimer ist heilbar",insb.S.286ff.